Mastercard-gesponserte Stuttgarter Jazz Open verbannt Bargeld – Revolverblatt.news

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6. 07. 2022 | Während in der Schweiz Kulturveranstalter, die sich von Sponsoren zum Bargeldverbot verleiten ließen, unter Druck der Gäste einen Rückzieher machten, lässt sich der Veranstalter des Festivals Jazz Open dazu bringen, Bargeld zu verbannen. Hoffen wir, dass er kräftigen Gegenwind spüren wird. In der Schweiz formiert sich unterdessen massiver Widerstand gegen diese Machenschaften der Finanzbranche.

Der Stuttgarter Zeitung ist es einen peinlich distanzlosen Artikel wert, dass Bargeld bei den Jazz Open „ausgedient hat“. Promoter Jürgen Schlensog habe der Zeitung gesagt, die Devise sei dieses Jahr „Cashless Only“, mit der heuchlerischen Begründung, dies sei hygienischer und mache den Besuch flexibler.

Dass Mastercard dafür als Sponsor des Festivals mutmaßlich einiges Geld springen lässt, wird nur im Zusammenhang mit der Schleichwerbebotschaft erwähnt, dass Besucher 20% Rabatt auf alles bekommen, wenn sie mit einer Mastercard-Karte bezahlen. Der Konzern hat es sich schon immer einiges kosten lassen, seinen Hauptkonkurrenten, Bargeld, mit unlauteren Methoden zu verdrängen. An Bargeld verdient Mastercard nichts und die Verfügbarkeit von Bargeld hindert Mastercard daran, die Preise für seine Bezahldienste noch weiter zu erhöhen.

Mastercard ist eines der Kernmitglieder der Better Than Cash Alliance, einer Lobby aus US-Regierung, Finanzbranche und US-IT-Konzernen, die sich zum Ziel gemacht hat, weltweit das Bargeld zurückzudrängen – mit Unterstützung der G20, einschließlich der Bundesregierung, einer heimlichen Hauptsponsorin der Anti-Bargeld-Allianz.

So viel zur oft gehörten Behauptung, Bargeld verschwinde langsam, weil es unpraktisch sei. Es wird vielmehr von interessierter Seite systematisch zurückgedrängt. Hoffen wir, dass sich genug Leute finden die durch den Nichtkauf von Karten und von dem, was es während des Festivals zu kaufen gibt, gegen diese Zumutung protestieren und dem Veranstalter und den Verkäufern freundlich mitteilen, was sie davon halten.

Schweizer lassen sich so etwas nicht bieten

Am 3. Mai hatte ich kurz berichtet, dass auf dem Stadtfest Luzern auf Drängen des Hauptsponsors, einer Bank, kein Bargeld zugelassen sein sollte. Der Gegenwind war so stark, dass die Veranstalter einknickten und dafür sorgten, dass man auf jedem bespielten Platz mit Bargeld Wertmarken kaufen konnte, mit denen man an den Ständen bezahlen konnte.

Das war schon der dritte Versuch in Luzern. Wie die Zeitung K-Tipp berichtet (Abo) hatte das dortige Kongresszentrum schon im August 2020 angekündigt, Bargeld zu verbannen. Aus Gründen, über die sich die Verantwortlichen ausschweigen, hat das nicht geklappt. Zuvor war ein Versuch im Stadion des FC Luzern gescheitert, Bargeld zu verbannen.

Ikea betrieb 2017/18 laut K-Tipp ein halbes Jahr lang einen bargeldlosen Laden in Zürich. Inzwischen sei das Experiment gestoppt. Ikea schrieb auf Anfrage des K-Tipp: „Einige Kunden wünschen nach wie vor Barzahlung. Dem wollen wir nachkommen.“ Auch Nespresso habe entsprechende Experimente in Winterthur und Basel gestoppt.

Verfassungsinitiativen pro Bargeld

In der Schweiz hat der Verein FBS (Freiheitliche Bewegung Schweiz) zwei Verfassungsinitiativen für das Bargeld eingereicht. Sie würden dem Bargeld bei Annahme in einer Volksabstimmung einen dauerhaften gesetzlichen Schutz geben.

Die erste Initiative will in die Verfassung schreiben, dass der Bund immer für eine ausreichende Bargeldversorgung sorgen muss und dass das Volk gefragt werden muss, bevor der Franken durch eine andere Währung ersetzt wird. Für diese werden bereits die Unterschriften gesammelt, die nötig sind, um für eine Volksabstimmung zugelassen zu werden.

Die Weitergehende ist die zweite, die derzeit noch bei der Bundeskanzlei liegt, die mit den Initiatoren über die genauen Formulierungen und Übersetzungen verhandelt. Sie würde u.a. in die Verfassung schreiben:

  • Bargeld muss in den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Behörden und im Einzelhandel angenommen werden.
  • Barzahlen darf nicht mit Zusatzkosten belastet oder verkompliziert werden.
  • Bargeld muss in zumutbarer Entfernung verfügbar sein.
  • Bargeld darf nicht elektronisch verfolgbar gemacht werden.
  • Bis zum Beweis des Gegenteils wird angenommen, dass der Besitzer von Bargeld rechtmäßiger Eigentümer ist.

Hinweis: Der letzte Abschnitt lehnt sich stark an einen Beitrag auf Bargeldverbot.info an, auf den mich Autor Hansjörg Stützle dankenswerter Weise aufmerksam gemacht hat. Dort finden Sie weitere Infos und auch eine Möglichkeit die Verfassungsinitiative zu unterstützen. Denn es ist teuer, so einer Volksabstimmung zum Erfolg zu verhelfen. Dort werden auch unsere Interessen vertreten, denn es würde für die Verteidigung des Rechts auf finanzielle Privatsphäre in Deutschland sehr viel helfen, wenn diese Verfassungsänderung in der Schweiz käme.

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Dossier zum Krieg gegen das Bargeld und dem Widerstand dagegen

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